Wahlprüfsteine zur Wahl des Erlanger Oberbürgermeisters
Bei der Kommunalwahl am 8. März wählen die Erlanger Bürger auch einen neuen Oberbürgermeister. Der ADFC Erlangen hat die Kandidatinnen und Kandidaten gebeten, ihre Einschätzung zu wichtigen Radverkehrsthemen zu teilen.

Die 11 Fragen des ADFC Erlangen sowie die Antworten der Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl des Erlanger Oberbürgermeisters
Letzte Aktualisierung: 11.02.2026
Die Reihenfolge der Kandidaten (in der Tabelle von links nach rechts) entspricht der Reihenfolge in der amtlichen Bekanntmachung. Wir geben die Antworten ungekürzt wieder. Die Formatierung wurde für eine einheitliche Darstellung in der Tabelle angepasst.
| Jörg Volleth CSU | Anette Wirth-Hücking FWG | Robert Aust AfD | Eva Linhart Grüne Liste | Dr. Florian Janik SPD | Joachim Jarosch ÖDP | Prof. Dr. Holger Schulze FDP | Lukas Eitel Erlanger Linke |
| 1. Wie groß ist Ihrer Meinung nach der Bedarf für Verbesserungen für die Radfahrenden in Erlangen? (Sehr groß - groß - gering - sehr gering - kein Bedarf - weiß nicht/ keine Meinung) | |||||||
| Groß. Erlangen hat zwar bereits viele Radfahrende, aber bei Sicherheit, Durchgängigkeit und Komfort gibt es deutliches Verbesserungspotential. Sichere Radwege, klare Führung an Knotenpunkten und eine bessere Trennung vom ruhenden Verkehr sind zentrale Aufgaben, um Radfahren für alle Altersgruppen attraktiv zu machen. | Gering | Sehr groß | |||||
| 2. Wie sieht Ihre Strategie für eine attraktive, einzelhandelsfreundliche Innenstadt mit hoher Aufenthaltsqualität aus? | |||||||
| Meine Strategie verbindet Erreichbarkeit, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Stärke: - Eine Innenstadt, die zu Fuß, mit dem Rad, dem ÖPNV und auch mit dem Auto erreichbar bleibt - Sichere Rad- und Fußwege, mehr Grün, Sitzgelegenheiten und gute Beleuchtung - Belebung durch Veranstaltungen, Märkte und aktives Leerstandsmanagement - Intelligentes Parkraumkonzept mit Parkhäusern, Kurzzeitparken und klarer Parkleitführung - Gute Bedingungen für Lieferverkehr und Handwerk. Eine lebendige Innenstadt braucht Bewegung – nicht Ideologie. | Grünoasen, im Sommer Wasserspender, entsiegeln | Wir wollen die Fußgängerzone von Rathaus bis Matin-Luther-Platz führen. Es braucht eine gesunde Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und Kulturangeboten. Begrünung, Sitzmöglichkeiten und Räume ohne Konsumzwang können Menschen in die Innenstadt bringen. Der Leerstand ist auch Folge teils sehr hoher Gewerbemieten. Für eine einzelhandelsfreundliche Innenstadt müssen diese sinken. | |||||
| 3. Die Planungen für die Radschnellverbindungen nach Herzogenaurach, Fürth und Nürnberg sind weit vorangeschritten. Werden Sie im Fall Ihrer Wahl den Bau dieser Radschnellverbindungen in der beginnenden Amtszeit angehen? | |||||||
| Ja. Die Radschnellverbindungen nach Herzogenaurach, Fürth und Nürnberg sind wichtig für Pendlerinnen und Pendler und für die regionale Vernetzung. In meiner Amtszeit werde ich die Umsetzung priorisieren, Fördermittel konsequent nutzen und auf eine realistische, abschnittsweise Realisierung achten. | Das hängt von der finanziellen Situation der Stadt ab. | Ja. Radverkehr ist nicht für alle, aber für große Teile der Bevölkerung eine attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr, wenn die Verkehrswege stimmen. | |||||
| 4. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass Erlangen zur Modellkommune “flächendeckendes Tempo 30” wird? [1] | |||||||
| Ja – mit Augenmaß. In zusammenhängenden Wohngebieten und innerstädtischen Quartieren steigert Tempo 30 Sicherheit, Lebensqualität und Lärmschutz. Hauptverkehrsachsen müssen jedoch leistungsfähig bleiben. Ich stehe für differenzierte, rechtssichere Lösungen statt pauschaler Regelungen. | Vorstellbar, insbesondere bei den beengten Verhältnissen in vielen Innnenstadtquartieren. | Ja in zusammenhängenden Wohngebieten und innerstädtischen Quartieren, ausgenommen die Hauptverkehrsachsen. | |||||
| 5. Werden Sie die existierenden Fahrradstraßen gemäß der im November 2025 aktualisierten "Leitlinien für die einheitliche Gestaltung von Fahrradstraßen" der Stadt Erlangen markieren bzw. umgestalten? [2] | |||||||
| Ja. Die bestehenden Fahrradstraßen müssen einheitlich, verständlich und sicher gestaltet werden. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die neuen Leitlinien konsequent umgesetzt und Förderprogramme wie „Stadt und Land“ aktiv genutzt werden. | Müssten wir zunächst im Detail prüfen und Kosten anlysieren. | Ja. Leitlinien sind sinnlos, wenn sie nicht angewandt werden. | |||||
| 6. Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um Geh- und Radwege freizuhalten von behindernden und gefährdenden Falschparkern? | |||||||
| - Verlässliche und verhältnismäßige Kontrollen sowie ein konsequentes Vorgehen bei besonders gefährdendem Falschparken - Verbesserte bauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit, etwa durch Poller, klare Markierungen oder geschützte Bordsteinabsenkungen - Stärkere Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmenden und eine transparente, verständliche Kommunikation der Regeln - Prüfung digitaler Meldemöglichkeiten, um Hinweise aus der Bürgerschaft niedrigschwellig aufnehmen zu können - Das Freihalten von Geh- und Radwegen ist ein wichtiger Beitrag zu Sicherheit und gegenseitiger Rücksichtnahme im Straßenverkehr und sollte entsprechend ernst genommen werden. | Sehen wir aktuell nicht als vorrangig für Erlangen. | Dabei geht es neben Autos auch um E-Roller und insbesondere Leihfahrräder. Teils gibt es einen großen Mangel an Abstellplätzen. Grundsätzlich setzen wir auf die Durchsetzung von Recht und Ordnung durch Kontrollen und Bußgelder. | |||||
| 7. Wie viel Geld sollte die Stadt Erlangen pro Jahr und Einwohner aus Eigenmitteln für den Radverkehr ausgeben? [3] | |||||||
| Der im Zukunftsplan Fahrradstadt genannte Richtwert von 45 Euro pro Kopf und Jahr bleibt eine wichtige Zielgröße. Aufgrund der derzeit angespannten Haushaltslage sind kurzfristig jedoch nur begrenzte Eigenmittel verfügbar. Um dennoch Fortschritte zu erzielen, setze ich auf eine klare Priorisierung, auf kostengünstige Maßnahmen wie Markierungen, punktuelle Sicherungen, Verkehrsversuche und Verbesserungen im Bestand sowie auf die konsequente Nutzung von Förderprogrammen von Bund und Land und EU (LEADER), insbesondere aus der Radverkehrsförderung. Investitionen in den Radverkehr sind vergleichsweise kosteneffizient und tragen wesentlich zu Verkehrssicherheit, Klimaschutz und Lebensqualität bei – dieses Potenzial soll auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen genutzt werden. | Aktuell kann die Stadt Erlangen bestenfalls für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur aufkommen. | Die Stadt Erlangen hatte sich im Zukunftsplan Fahrradstadt 2021 das Ziel gesetzt, mindestens 45 Euro Pro-Kopf-Investition pro Jahr zu tätigen. Inflationsbereinigt sind das heute 55 Euro Pro-Kopf-Investitionen. | |||||
| 8. Was sollte Ihrer Meinung nach ein Anwohnerparkausweis für ein Jahr kosten? | |||||||
| Ich befürworte einen moderaten, sozial ausgewogenen Preis, der Verwaltungskosten deckt, aber Anwohnerinnen und Anwohner nicht überfordert. Staffelungen und Ausnahmen – etwa für Pflegebedürftige – sind sinnvoll. | 40 € | Wenig. Auf Anwohnerparken greifen insbesondere Bewohnerinnen und Bewohner von Mietwohnungen zurück, die keine eigene Garage dabei haben. | |||||
9. Der Bau eines modernen Fahrradparkhauses am Erlanger Hauptbahnhof wird seit Jahren aufgeschoben, während die existierenden Abstellanlagen verwahrlosen. Wie stehen Sie zu den folgenden Aussagen: 9.1. Die bestehenden Abstellanlagen müssen sofort hinsichtlich Sauberkeit, Sicherheit (Beleuchtung, Kontrollen) und Benutzbarkeit (Entfernen von Schrotträdern) in Ordnung gebracht werden. 9.2. Kurzfristig können modulare Abstellanlagen eingerichtet werden, um bis zum Bau eines Fahrradparkhauses bestmögliche Abstellbedingungen zu schaffen. [4] 9.3. Das Projekt Fahrradparkhaus muss als Teil eines umfassenden Modernisierungs- und Mobilitätskonzepts für die Erlanger Innenstadt neu auf den Weg gebracht werden. | |||||||
| 9.1: Ja, uneingeschränkt. Sauberkeit, Beleuchtung, Sicherheit und das Entfernen von Schrotträdern müssen sofort verbessert werden. 9.2: Ja. Modulare Lösungen sind eine pragmatische Übergangslösung. Förderprogramme wie die Bike-and-Ride-Offensive sollten aktiv genutzt werden. 9.3: Ja. Ein modernes Fahrradparkhaus gehört in ein umfassendes Mobilitäts- und Innenstadtkonzept. Das Projekt muss neu priorisiert, realistisch geplant und finanziell solide umgesetzt werden, sobald es die Haushaltslage zulässt. | 9.1: Zustimmung 9.2: Denkbar für den Bereich hinter Gleis 4, um dort in zwei Ebenen abstellen zu können 9.3: Sobald die erforderlichen Sanierungen in anderen Bereichen auf den Weg gebracht sind. | 9.1: Ja 9.2: Ja 9.3: Ja. Das fördert auch die Attraktivität der Innenstadt insbesondere für den Einzelhandel. | |||||
| 10. Sind Sie bereit, den Fahrradverkehr durch fahrradfreundliche Ampelschaltungen zu beschleunigen? [5] | |||||||
| Ja. Intelligente Ampelschaltungen, Grüne Wellen und gute Beispiele wie am Radweg Gerberei zeigen: Flüssiger Verkehr erhöht Sicherheit und Akzeptanz – für Radfahrende wie für den gesamten Verkehr. | Schwierig, da es keine einheitliche Geschwindigkeit von Radfahrern gibt. Zusätzlich ist der Umweltschutz bzgl. PKW, Beschleunigungspahsen zu berücksichtigen. | Ja. Bereits vor einigen Jahren wurden auf unsere Initiative hin die sogenannten "Bettelampeln" abgeschafft. | |||||
| 11. Die Anordnung von Grünpfeilen für den Radverkehr wurde in der Vergangenheit von der Verwaltung unter Verweis auf bundesrechtliche Vorgaben überwiegend abgelehnt. Wie stehen Sie grundsätzlich zu Grünpfeilen für den Radverkehr, und sehen Sie politischen Spielraum für erneute Prüfungen oder Modellversuche an geeigneten Stellen? | |||||||
| Ich stehe grundsätzlich offen und positiv zu Grünpfeilen für den Radverkehr. Wo die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, sehe ich politischen Spielraum für erneute Prüfungen und Modellversuche an geeigneten, sicheren Stellen. | Als Erlanger Radfahrer sehen wir dafür aktuell keine Notwendigkeit sind aber gesprächsbereit für relevante Konstellationen. | Wir sehen den Grünpfeil sehr positiv. Sowohl in der DDR als auch in den USA war bzw. ist die Grünpfeil-Regelung weit verbreitet. Das zeigt es ist keine Frage der Ideologie sondern eine der Ratio. Daher sollte die Stadt eine erneute Prüfung starten. | |||||
Fußnoten:
[1]: Unter "flächendeckend" sind zusammenhängende Wohngebiete und innerstädtische Quartiere zu verstehen, ausgenommen die Hauptverkehrsachsen.
[2]: Wir verweisen auf das Förderprogramm Stadt und Land der Bayerischen Landesregierung, das auch für solche Kleinmaßnahmen Fördergelder bereitstellt, sofern die Maßnahmen bis 2030 abgeschlossen sind.
[3]: Anhaltspunkt: Die Stadt Erlangen hatte sich im Zukunftsplan Fahrradstadt 2021 das Ziel gesetzt, mindestens 45 Euro Pro-Kopf-Investition pro Jahr zu tätigen.
[4]: Wir verweisen auf das Förderprogramm "Bike and Ride Offensive", das gemeinsam von DB und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) getragen wird.
[5]: Positivbeispiel: Radweg Gerberei, Schaltung der Fahrradampeln an den Querungen Münchner Str. und Parkplatzstr.